Auf der Baustelle entschieden: IED mit
SCL Stufe 4
Im Juni 2026 hat die IED Gruppe AG die Rezertifizierung Safety Culture Ladder (SCL) bestanden – neu auf Stufe 4, drei Jahre nach der Erstzertifizierung auf Stufe 3. Als eines der ersten Unternehmen in der Schweiz. Geschafft hat das die Mannschaft, die jeden Tag in der Netzinfrastruktur arbeitet.
Die HighLeit-Mannschaft auf einem Unterwerkprojekt. Die NetLeit-Mannschaft bei Nachtarbeit an Bahngleisen. Das Wilcop-Team beim Korrosionsschutz im Übertragungsnetz. Die Telcom-Mannschaft beim Austausch von Holzmasten im Kommunikationsnetz. Das HSK-Team bei der Anbindung von Unterwerken mit Hochspannungskabeln.
Diese Arbeit ist der Grund, warum die Auszeichnung etwas wert ist.
Was die Safety Culture Ladder bewertet
Die Safety Culture Ladder (SCL) ist eine fünfstufige Methode zur Bewertung der Sicherheitskultur eines Unternehmens. Sie prüft nicht Dokumente oder Prozesse, sondern das Verhalten und die Einstellung der Menschen, die täglich mit Risiken umgehen.

In der Schweiz hat Swissgrid die SCL 2022 eingeführt und verlangt seither von sicherheitskritischen Dienstleistern eine Zertifizierung. Die aktuelle Version SCL 2.0 ist seit 2024 in Kraft.
Die fünf Stufen der SCL beschreiben einen Reifegrad – von ignorant bis selbstverständlich:
Stufe 1 – Pathologisch: «Solange nichts passiert, machen wir uns keine Sorgen.» Die Organisation erkennt den Nutzen präventiver Sicherheitsmassnahmen nicht an.
Stufe 2 – Reaktiv: «Sicherheit ist wichtig, und wenn etwas passiert, setzen wir alle Hebel in Bewegung.» Es gibt kaum strukturelle Aufmerksamkeit für die Sicherheit, nur, wenn ein Vorfall stattgefunden hat.
Stufe 3 – Berechnend: «Wir haben das System voll im Griff.»
Der Hauptfokus liegt auf Sicherheitsmanagementsystemen und Übersichten zur Risikoverwaltung und zur Vorbeugung von Vorfällen.
Stufe 4 – Proaktiv: «Wir arbeiten an den Problemen, die sich uns stellen.»
Sicherheit ist tief in den Betriebsprozessen verankert. Jeder Einzelne übernimmt Verantwortung — und spricht andere auf gefährliches Verhalten an, unabhängig von Hierarchie.
Stufe 5 – Fortschrittlich: «Sicherheit steht im Mittelpunkt und ist voll in unsere Arbeit integriert.»
Bewertet wird entlang von fünf Themen: Leitlinien und Führung, Kenntnisse und Kompetenzen, Haupt- und Unterstützungsprozesse, Zusammenarbeit mit Externen sowie Lernen und Verbessern. Diese Themen sind in 18 Unterthemen konkretisiert — von der Frage, wie die Geschäftsleitung Sicherheit vorlebt, bis zu der Frage, wie ein Beinaheunfall gemeldet, untersucht und nachbereitet wird.
Der Sprung von Berechnend auf Proaktiv ist der entscheidende. Auf Stufe 3 funktioniert das Sicherheitssystem auf dem Papier: Leitlinien, Prozesse, Schulungen sind da. Die operativen Mitarbeitenden fühlen sich aber «nach wie vor nur begrenzt für Sicherheit und Gesundheitsschutz verantwortlich», wie es der SCL-Normtext zu Stufe 3 ausdrückt. Auf Stufe 4 dreht sich das. Jede Person übernimmt Verantwortung für sich, für Kolleginnen und Kollegen, für die Mitarbeitenden von Auftragnehmern. Sicherheitsinformationen werden von oben nach unten und von unten nach oben gemeldet. Fehler sind erlaubt und werden ehrlich eingeräumt.
Für Auftraggeber ist dieser Unterschied relevant. Eine Stufe-4-Zertifizierung bestätigt, dass die Strukturen auf der Baustelle ankommen – über das Handbuch hinaus.
Vier Tage Audit
Das Rezertifizierungsaudit dauerte vier Tage. Die Auditoren waren in den Büros und Werkhöfen an den Standorten der IED und vor allem dort, wo sich Stufe 4 zeigen muss: auf den Baustellen.
Geprüft wurden alle fünf Themen: vom Engagement der Geschäftsleitung über die Kompetenzentwicklung der Teams und das Verhalten am Arbeitsplatz bis hin zur Zusammenarbeit mit Subunternehmern und zur Meldekultur bei Beinaheunfällen. Die Auditoren sprachen mit Mitarbeitenden der Zentralen Dienste, Führungskräften, mit Monteuren und Malern. Sie schauten zu. Sie fragten nach.
Wie wird eine Gefährdung erkannt? Was passiert, wenn ein neuer Kollege eine Regel nicht kennt? Wer spricht wen worauf an, und wer hört zu? Antworten auf diese Fragen geben keine Handbücher, sondern Menschen, die ihren Arbeitsalltag beschreiben.
Koordiniert wurde das Audit von unserem Beauftragten für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Umwelt, Patrick Kalbermatten.
Wer das Audit bestanden hat
Führungskräfte und Stäbe schaffen den Rahmen – Strukturen, Schulungen, Ausrüstung. Was darüber hinausgeht, entscheidet sich vor Ort: in dem Moment, in dem jemand etwas sieht und es ausspricht. Diese Momente entstehen draussen, oft bei Wetter und auf Gelände, das man sich nicht aussucht. Sie sind das, was Stufe 4 ausmacht.

«Mit Passion zur Arbeit – Gesund nach Hause». Der Satz ist Teil unserer Ziele und Werte. Eingelöst wird er von den Menschen, die ihn im Alltag tragen.
Tag für Tag
Eine Zertifizierung ändert nichts daran, dass unsere Arbeit körperlich ist, draussen stattfindet, mit Gefahren zu tun hat. Bei uns kann genauso etwas passieren wie bei jedem anderen. Stufe 4 ist deshalb kein erreichtes Ziel, sondern eine Verpflichtung: Sicherheit jeden Tag aufs Neue ins Zentrum unserer Arbeit zu stellen, mit Fokus auf die Achtsamkeit.
Diese Verantwortung müssen wir uns jeden Tag wieder erarbeiten. Wir danken denen, die das tun – und denen, die uns dabei vertrauen.
Autor: Andrea Heubel
Haben Sie Fragen zur Safety Culture Ladder und ihrer Umsetzung? Kontaktieren Sie uns unter info@ied.swiss
Bildmaterial: IED Gruppe AG